Begabungs- und Leistungsförderung zählt zu den Kernaufgaben einer jeden Schule. Um die leistungsstarken und die potenziell besonders leistungsfähigen Schülerinnen und Schüler innerhalb ihrer Domänen zu fordern und zu fördern, müssen sich Schule und Unterricht auf institutioneller, organisatorischer, struktureller, personeller und inhaltlicher Ebene verändern.

Der interdisziplinäre Forschungsverbund LemaS nimmt sich im Rahmen des Forschungs- und Schulentwicklungsprojekts Leistung macht Schule diesem Thema an. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und ist eingebettet in eine auf zehn Jahre angelegte gemeinsame Initiative von Bund und Ländern sowie der Kultusministerkonferenz (KMK) zur Förderung von (potenziell) leistungsstarken Schülerinnen und Schülern. LemaS setzt sich aus 28 leitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von 17 Universitäten und Hochschulen zusammen und arbeitet in insgesamt 22 Teilprojekten mit bundesweit 300 Schulen des Primar- und Sekundarbereichs an leistungs-und begabungsfördernden Strukturen in Schule und Unterricht.

Der Forschungsverbund LemaS zielt mit seinem Verbundprojekt auf eine Haltungsänderung der Akteure und auf die theorie- und evidenzbasierte Optimierung begabungs- und leistungsfördernder Schul- und Unterrichtsgestaltung durch die wissenschaftliche Beratung, Unterstützung und formative Evaluation der Arbeit an den Schulen in den beiden Kernmodulen „Entwicklung eines schulischen Leitbilds mit Ausrichtung auf eine leistungsfördernde Schulentwicklung und Aufbau einer kooperativen Netzwerkstruktur“ (Kernmodul 1) sowie „Fordern und Fördern im Regelunterricht“ (Kernmodul 2).

Informieren Sie sich

Bild von lukas auf Pexels
Ergebnisse der Ausgangserhebung mit den LemaS-Schulen

Welche Formate und Instrumente zur Begabungs- und Leistungsförderung bestehen an den LemaS-Schulen bereits? Wie sind die Schulen in Bezug auf Fort- und Weiterbildungen aufgestellt und welche Maßnahmen und Instrumente der Qualitätssicherung stehen zur Verfügung? Wie verläuft die Leitbildentwicklung an den Schulen? Und welches Begabungs- und Leistungsverständnis lag an den Schulen zu Projektbeginn vor? Antworten auf diese und weitere Fragen geben die Ergebnisse der LemaS-Ausgangserhebung. Zu Beginn, zur Mitte und zum Ende der 5-jährigen Projektphase führt der Forschungsverbund LemaS mit allen 300 Projektschulen eine Online-Befragung durch. Als zentraler Teil des verbundübergreifenden Evaluationskonzepts spielen diese drei Erhebungen für die wissenschaftliche Begleitung von LemaS eine zentrale Rolle. Zusammen erlauben sie die Kontrolle von Projektverlauf und Projekterfolg. Zudem dienen sie der Identifikation von Gelingensbedingungen für die erfolgreiche Entwicklung und Implementation von Maßnahmen zur Diagnose und Förderung von Leistungspotenzialen sowie der Einordnung der beteiligten Schulen in der nationalen Schullandschaft. Als erste der drei Befragungen zielt die Ausgangserhebung darauf, systematisch Informationen zu den schulischen Rahmenbedingungen sowie den Erwartungen und Einstellungen der Schulleitungen zu Projektbeginn zu sammeln. Die zentralen Ergebnisse gibt es hier im Überblick.

Foto: Compare Fibre on Unsplash
Interessen und Potenziale fördern – Die digitale Drehtür als länderübergreifendes Angebot

Wie lässt sich individualisiertes und interessengerechtes Lernen neben den Angeboten im Unterricht, aber während der Schulstunden fördern? Das „Drehtürmodell“ stellt hierzu einen passenden Ansatz dar: Schülerinnen und Schüler verlassen den regulären Unterricht für einzelne Stunden, um an Projekten zu arbeiten oder an anderem Unterricht teilzunehmen. Die Landesinstitute aus acht Bundesländern haben gemeinsam eine digitale Umsetzung des etablierten Modells zur Begabungs- und Begabtenförderung konzipiert, auch um unter den Pandemiebedingungen weitere potenzialentfaltende digitale Angebote für Schülerinnen und Schüler zu schaffen. Die digitale Drehtür ermöglicht Kindern und Jugendlichen, sich mit Themen aus ihrem Interessensgebiet zu beschäftigen und ihre Potenziale digital, nachhaltig und kostenfrei gemeinsam mit Lernenden aus anderen Bundesländern, anderen Schulformen und Altersgruppen zu entfalten. Im Rahmen von "Leistung macht Schule" arbeiten die Länder vernetzt und im engen Austausch an länderübergreifenden Möglichkeiten zur Förderung leistungsstarker und potenziell leistungsfähiger Schülerinnen und Schüler. Mit knapp 70 Angeboten, darunter auch Workshops einiger LemaS-Teilprojekte, lief jetzt die Pilotwoche zur digitalen Drehtür.

DLR Projektträger
LemaS am Bildungszentrum Bodnegg – Ein Interview über diagnosebasierte Förderung im Matheunterricht auch aus der Distanz

Am Bildungszentrum Bodnegg gibt es jeweils eine Stunde pro Woche „Leistung macht Schule“: Eine Unterrichtsstunde für besonders interessierte Schülerinnen und Schüler der dazugehörigen Grund-, Haupt- und Realschule, in der LemaS-Materialien und -Förderinstrumente erprobt werden. Das Bildungszentrum Bodnegg ist eine von 20 Schulen, die am LemaS-Teilprojekt 8 unter der Leitung von Prof. Dr. Ralf Benölken teilnimmt. Hier geht es schwerpunktmäßig um Unterrichtsentwicklung mit dem Ziel des Erkennens und Förderns von mathematikspezifischen Potenzialen und Leistungsstärken: „Wir entwickeln wir Fördermaterialien, die das Potenzial der Schülerinnen und Schüler besonders herauskitzeln können.“, erklärt Wiebke Auhagen, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin die Schulen mitbegleitet. Dazu gehören offene substanzielle Aufgaben, die sich gerade auch in der Corona-bedingten Fernlernphase bewährt haben. Ein Fokus auf Lernschwächen in vielen Schulen sei generell zu einseitig, bekräftigt Claudia Kirchhoff, Mathematiklehrerin und stellvertretende Schulleiterin: „Viele Lehrkräfte fragen sich, wie unsere Schülerinnen und Schüler, die eine drei oder zwei in Mathe haben, noch besser werden können. Mit „Leistung macht Schule“ wird es für uns selbstverständlicher, auch die Guten im Blick zu behalten.“ Das gemeinsame Interview gibt es hier.