Die Phasen- und Modulstruktur der Förderinitiative Leistung macht Schule

Ende 2016 beschlossen das Bundesministerium für Bildung und Forschung gemeinsam mit den Ländern die Förderinitiative Leistung macht Schule (damals noch unter dem Namen Wir können mehr) mit dem Ziel der Förderung leistungsstarker und potenziell besonders leistungsfähiger Schülerinnen und Schüler. Dazu soll ein breit angelegter Schul- und Unterrichtsentwicklungsprozess mit einer praxisnahen wissenschaftlichen Begleitung in zwei Phasen und mit einer Laufzeit von insgesamt 10 Jahren umgesetzt werden, wobei es nach fünf Jahren eine Zwischenevaluation gibt.

Förderphasen von Leistung macht Schule

In der ersten, aktuell laufenden, Phase (2018 bis 2022) geht es um die Erstellung bzw. Weiterentwicklung von Konzepten, Maßnahmen und Strategien zur Förderung von Schülerinnen und Schüler, die bereits besonders gute Leistungen zeigen wie auch von jenen, deren Leistungspotenzial, Fähigkeiten und Fertigkeiten erst erkannt und durch gezielte Förderung entfaltet werden soll. In der zweiten Förderphase (2023 bis 2027) der Initiative werden die Ergebnisse der ersten Phase transferiert, wobei die erfolgreich erprobten und evaluierten Konzepte, Maßnahmen und Strategien in die Breite getragen werden. Der Transfer in die Fläche liegt in der Zuständigkeit der Länder, wodurch den länderspezifischen Strukturen und Rahmenbedingungen entsprochen wird. Für die wissenschaftliche Begleitung der ersten Phase wurde der Forschungsverbund Leistung macht Schule (LemaS) ausgewählt. Der Name des Forschungsverbunds führte auch zur Umbenennung und dem endgültigen Titel der Förderinitiative Leistung macht Schule
LemaS-Kernmodule und Transferphase
Der Forschungsverbund LemaS ist modular strukturiert und besteht aus 22 inhaltlichen sowie zwei übergreifenden Teilprojekten zur theorie- und evidenzbasierten Optimierung der schulischen Entwicklungsmöglichkeiten leistungsstarker und potentiell leistungsfähiger Schülerinnen und Schüler. Diese 22 Teilprojekte verteilen sich auf die beiden obligatorischen Kernmodule „Entwicklung eines schulischen Leitbilds mit Ausrichtung auf eine leistungsfördernde Schulentwicklung und Aufbau einer kooperativen Netzwerkstruktur“ (KM 1) und „Fordern und Fördern im Regelunterricht“ (KM 2), für die der Forschungsverbund LemaS die wissenschaftliche Begleitung übernommen hat. Daneben fördert die Bund-Länder-Initiative „Leistung macht Schule“ weitere Projekte in dem fakultativen Modul 3 „Diagnose und Beratung“ sowie dem fakultativen Modul 4 „Fordern und Fördern außerhalb des Regelunterrichts“. 

Kernmodul 1 - Entwicklung eines schulischen Leitbilds mit Ausrichtung auf eine leistungsfördernde Schulentwicklung und Aufbau einer kooperativen Netzwerkstruktur

Kernmodul 1 zielt auf die wissenschaftlich fundierte, begleitete und evaluierte Entwicklung von Leitbildern, die zu einer leistungsfördernden Schulkultur passen bzw. beitragen können sowie auf den ebenfalls wissenschaftlich fundierten, begleiteten und evaluierten Auf- und Ausbau der Vernetzung der Schulen untereinander und mit externen Kooperationspartnern. Hinzu kommt die Berücksichtigung der Übergänge zwischen den Bildungsgängen, insbesondere zwischen Grundschule und Sekundarbereich I. Bei allem spielt die Weiterprofessionalisierung der Schulleitungen und Lehrpersonen eine gewichtige Rolle. Perspektivisch geht es um die Identifikation von Gelingensbedingungen dieser Prozesse, um daraus Empfehlungen für die Übertragbarkeit der Maßnahmen und Konzepte in Förderphase 2 ableiten zu können. Schulentwicklung und kooperative Netzwerkbildung werden als zwei sich ergänzende, z. T. synergetisch ablaufende Maßnahmen zur Veränderung der Schul- und Bildungslandschaft im Hinblick auf einen grundsätzlich leistungsfördernden Schulentwicklungsprozess betrachtet, der eine diversitätssensible Förderung von (potenziell) leistungsstarken Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt stellt. Arbeitsgrundlage in Kernmodul 1 ist der wertschätzende Dialog zwischen Wissenschaft und schulischer Praxis, da ein breiter Konsens kreative und nachhaltige (Weiter-)Entwicklungen ermöglicht und begünstigt. Die wissenschaftliche Prozessbegleitung ist als adaptives Vorgehen konzipiert, bei dem die Schulen mit ihren spezifischen Ausgangslagen und Kontextbedingungen darin unterstützt werden, an bereits bestehende Strukturen und vorhandene Ressourcen sowie die gegebenen Netzwerkstrukturen anzuknüpfen und darauf konkrete Vorhaben und Weiterentwicklungen in Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern anzugehen. Bei der Umsetzung der jeweiligen Ziele werden die Schulen wissenschaftlich unterstützt und forschend begleitet. Die leistungsfördernde diversitätssensible Schulentwicklung ist dabei kein erreichbarer Endzustand, sondern ein fortlaufender Prozess der Annäherung, Reflexion und Konsolidierung, der einer kontinuierlichen formativen Evaluation unterzogen wird. Die kooperativen Netzwerkbildungen werden je nach Bedarf und Zielvorstellungen der Schulen angeregt, deren Erarbeitung bzw. Weiterentwicklung, Implementierung, Erprobung und Optimierung werden unterstützt und insgesamt ebenfalls wissenschaftlich begleitet. Eingebunden werden neben den Schulen lokale und regionale Schulbehörden, die Landesinstitute sowie weitere außerschulische Bildungspartner, so dass flexible und nachhaltige Konzepte schulischer und außerschulischer Bildungs- und Unterstützungsangebote in der ersten Förderphase erprobt und evaluiert sowie Gelingensbedingungen analysiert und dokumentiert werden können.

Kernmodul 1 - Teilprojekte 1 bis 3

Kernmodul 2 - Fordern und Fördern im Regelunterricht

Die Teilprojekte, die sich Kernmodul 2 zuordnen lassen, zielen auf die weitere Professionalisierung der Lehrpersonen und auf die Unterrichtsentwicklung, konkret auf das Fordern und Fördern von (potenziell) leistungsstarken Schülerinnen und Schülern im Regelunterricht. Erarbeitet werden fachdidaktische Konzepte zur individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler, wozu die Stärkung fachspezifischer als auch allgemeiner Kompetenzen wie die (meta-)kognitive (Selbst-)Kompetenz gehört. Die Förderung wird über den Ansatz der diagnosebasierten individuellen Förderung im Arbeitsprogramm von Kernmodul 2 eng mit der Diagnose verzahnt, um adaptive Formate für den Regelunterricht entwickeln zu können. „Adaptiv“ bezieht sich dabei zum einen auf differenzierte, individuell gestaltbare Förderformate, zum anderen darauf, dass die Konzepte im Rahmen der wissenschaftlichen Prozessbegleitung an die Ausgangslagen und Bedarfe der Schulen angepasst werden können. Zentral für alle Teilprojekte ist der enge, kontinuierliche Austausch mit den beteiligten Schulen, um im Sinne einer Theorie-Praxis-Brücke schulpraktische Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse miteinander zu verbinden. Ausgehend von den Ergebnissen aus der formativen Evaluation der konzeptionierten Diagnose- und Förderformate werden Vorschläge und Empfehlungen zu Gelingensbedingungen und Formaten einer diagnosebasierten individuellen Förderung (potenziell) leistungsstarker Schülerinnen und Schüler erarbeitet und bereitgestellt. Diese werden im weiteren Verlauf der Förderinitiative summativ evaluiert und auf weitere Schulen übertragen. 

Eine konsequente Umsetzung des Prinzips der diagnosebasierten individuellen Förderung (potenziell) leistungsstarker Schülerinnen und Schüler wird durch die inhaltliche Zuordnung der Teilprojekte in Kernmodul 2 zum Bereich der Diagnose einerseits und dem Bereich der Förderung andererseits sowie durch die prozessbezogene Koppelung beider Bereiche in erreicht. Dies wird konkretisiert in den Projekten der MINT-Fächer, im sprachlichen Bereich von Deutsch und Englisch sowie in überfachlichen Projekten.


Kernmodul 2 - Fordern und Fördern im Regelunterricht

Schnittstellenmodul - Verknüpfen, vernetzen, Zugänge schaffen


Die modulübergreifende Vernetzung der Teilprojekte wird über das Schnittstellenmodul unterstützt. Das Schnittstellenmodul wird von zwei wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen (Pädagogische Hochschule Karlsruhe / Universität Münster) besetzt, die jeweils einem Kernmodul zugeordnet sind. In enger Zusammenarbeit zielen beide auf die nachhaltige Verknüpfung der Inhalte aus KM 1 sowie KM 2 im Sinne einer umfassenden Schulentwicklung und auf die teilprojektübergreifende Verfügbarkeit der Inhalte aus beiden Kernmodulen für alle beteiligten Schulen und Forschergruppen. Das Schnittstellenmodul hat die zentrale Aufgabe der konzeptionellen Aufbereitung der Modulinhalte der Teilprojekte sowie der Bereitstellung der in den Teilprojekten erarbeiteten Ergebnisse in modularisierten Fortbildungsangeboten. Diese werden in der 1. Phase der Initiative erprobt und evaluiert und fließen in ein Fortbildungscurriculum, das insbesondere in der Transferphase Schulen, Landesinstituten und vergleichbaren Institutionen zur Verfügung steht. Die Arbeit des Schnittstellenmoduls fokussiert unter Einbindung interaktiver Kommunikations- und Arbeitsformen die Unterstützung von Schulen im Rahmen ihrer Schulentwicklung und der Weiterprofessionalisierung von Lehrpersonen mit Blick auf eine begabungs-, leistungs- und potenzialförderliche Unterrichts- und Schulkultur.

LemaS-Schnittstellenmodul