Leistungs- und Begabungsbegriff

Der Leistungs- und Begabungsbegriff von LemaS


Leistung macht Schule
liegt ein mehrdimensionaler, entwicklungsbezogener Leistungsbegriff zugrunde. Den offiziellen Beschluss der Bund-Länder-Initiative zur Begriffsdefinition können Sie hier abrufen.

Leistung kann in allen Domänen erbracht werden, die in der Schule und darüber hinaus in der Gesellschaft als nützlich und wertvoll erachtet werden. Das Leistungspotenzial zeigt sich beispielsweise durch ein besonderes Verständnis in Schulfächern wie der Mathematik, in Sprachen, künstlerischen Fächern oder im Sport, in sozial-emotionalen Domänen, als kreative Begabung oder im ethisch-philosophischen Handeln.

Leistungspotenziale können sowohl als allgemeine und spezifische Fähigkeiten und Fertigkeiten in unterschiedlichen Gebieten sowie als leistungsfördernde Persönlichkeitsmerkmale sichtbar werden. Der LemaS zugrundeliegende Leistungsbegriff bezieht zudem die vorhandenen Wissens-, Verstehens-, Anwendungs-, Urteils-, Handlungs- und Gestaltungskompetenzen einer Person mit ein. Dies schließt Verantwortungsübernahme und aktive, gesellschaftliche Teilnahme ein, die sich als Fähigkeiten und Fertigkeiten in unterschiedlichen Domänen zeigen. Die Begriffe des Leistungspotenzials und der Begabung werden gleichgesetzt (in Anlehnung an die Definition von Begabung des
 International Panel of Experts for Gifted Education (iPEGE)). Begabung beschreibt demnach den Entwicklungstand der leistungsbezogenen Potenziale als individuelle Konstellation aus Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmalen sowie Umweltkontexten. Begabung ist nicht gleich Leistung, sondern eine Voraussetzung von Leistungsentwicklung.

Die Leistungspotenziale sind individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt und umfassen Fähigkeiten, Kompetenzen, Persönlichkeitsmerkmale. Potenziale werden in LemaS als Voraussetzung für Performanz in allgemeinen und spezifischen Domänen betrachtet.

Leistung entwickelt sich ausgehend von Potenzialen über Kompetenzen hin zur Performanz. Dabei werden in unterschiedlichen Bereichen unterschiedliche Leistungsstärken erbracht. Dieser Prozess ist einerseits geprägt von allgemeinen (Lern-)Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmalen und andererseits abhängig von Kontextbedingungen. Damit sind Angebote der Umwelt (häusliches und lokales Umfeld, Familie, Freunde, Kita, Schule, Vereine, weitere Institutionen) gemeint, die zum Probehandeln und Austesten von Interessen und Fähigkeiten Anlass geben und die mit bestimmten Erwartungshaltungen an den Lernenden verbunden sein können. Vertieftes Aneignen und kluges Einüben von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten (‚deliberate practice‘) sind für die Leistungsentwicklung unabdingbar. Besonderes Leistungspotenzial im verbalen und numerischen Bereich zeigen leistungsstarke Schülerinnen und Schüler bereits im  Grundschulalter. Durch langjährige Beschäftigung mit den jeweiligen Wissensbeständen kann anschließend eine Spezialisierung der Leistung in einem bestimmten Bereich erfolgen. Hohe kognitive Fähigkeiten müssen von Lehrpersonen durch anregende Lernangebote gefordert und gefördert werden, um sich weiter auszubilden. Die Motivation zum Lernen und Üben wird von der Instruktion, aber ebenso von spezifischen Persönlichkeitsmerkmalen, Ansprüchen und Zielen der Schülerinnen und Schüler getragen. Das Leistungsverständnis des Forschungsverbunds LemaS berücksichtigt hierbei auch ästhetische, ethische, personale und sozio-emotionale Dimensionen von Leistung, die ebenfalls einer kontinuierlichen Praxis in den Schulen bedürfen (Dialog, Kommunikation, Kreativität, Verantwortungsbewusstsein, Vertrauen, Wertschätzung).

Die Begabungs- und Leistungsentwicklung ist ein individueller Prozess, bei dem sich leistungsfördernde Merkmale, Förderaspekte und die Eigenaktivität des Einzelnen interindividuell unterscheiden (können). Während zu Beginn der Entwicklung die Möglichkeiten zum Einüben und Ausprobieren entscheidend sind, werden Diagnostik und Förderung von Fähigkeiten, Kompetenzen und Persönlichkeitsmerkmalen im weiteren Verlauf wichtiger.

Diese Sichtweise lässt sich auch auf den Prozess der Schulentwicklung bzw. auf das Vorgehen in den jeweiligen Teilprojekten von LemaS übertragen.